Freitag, 11. August 2006
Das Reich der Mitte Teil 5: Sag mir was du isst und ich sag dir wer du bist
frankybody, 20:10h
Nun aber zum gemuetlicheren Teil, dachte ich und fahre mit Pam zum Abendessen.
Er waehlt ein Spezialitaetenrestaurant (einer suedlich gelegenen chinesischen Provinz).
Pam und ich studieren die Speisekarte. Er fragt mich, ob ich schon einmal 'Schlange' gegessen habe, sei aber sehr teuer. Ich lehne dankend ab, natuerlich wegen des Preises ;-)
Als leckere Alternative empfiehlt er 'Bamboo Mouse'. Zoegernd frage ich nach, ob diese Tiere vielleicht vom Aussterben bedroht seien (diese Frage ist wohl typisch fuer einen Deutscher aus der Generation 'Grzimek'). 'Nein' meint er spontan, 'in manchen Gegenden sind sie eine wahre Plage. Meine Neugier ist geweckt und gewinnt schnell die Oberhand ueber meine fraengische Skepsis ('was der Bauer net kennt, frisst er auch net'). 'Hmm, Bambusmaeuse lecker ...'
Dann Pams ueberraschende Frage, ob ich die Bambusmaus vorher sehen mag. Voreilig sage ich zu, so fuehrt unsere Bedienung Pam und mich vor das Restaurant. Jetzt erst faellt mir die Auswahl lebendiger Tiere dort auf, auf die jeder Kleintierzoo in Deutschland stolz gewesen waere.
Dort tummeln sich Huehner, Schlangen, Fische unterschiedlichster Arten, Krebse und Krabben, lebendige Wuermer und - die Bedienung deutet auf einen Kaefig ganz rechts hinten - Bambusmaeuse. Die Bedienung fragt uns, welche wir denn gerne haetten. Ich sehe genauer hin. Fuenf oder sechs gar nicht kleine Pelztiere kuscheln sich eng aneinander in einem Eck des Kaefigs. Sie oeffnet den Kaefig und pacht ein kaninchengrosses Tier mit einer Holzzange unsanft hinter dem Kopf und setzt es auf die Strasse. Es guckt links und rechts und putzt sich mit den kleinen Pfoetchen das Gesichtchen. Das war zuviel. Schlagartig bricht die Front meiner Neugier auf der ganzen Laenge zusammen und verschwindet so schnell sie gekommen war. Uebrig bleibt nicht nur Skepsis, sondern pure Ablehnung. Ich moechte nicht fuer den Tod dieses putzigen Wesens verantwortlich sein. Mag sein, dass meine Ablehnung das Schicksal dieses Tieres nur verlaengert und nicht aufhebt, trotsdem mein Entschluss stand fest, ich packe Pam am Arm und ziehe ihn mit zurueck in das Lokal, begleitet von einem 'ich habe es mir anders ueberlegt'.
Die Bedienung blickt uns verstaendnislos nach. Neben einem Teller mit 'Pork' und einem mit 'Shrimps' kommt nur Gemuese auf unseren Tisch. Es gibt erstaunlich viele Gemuesesorten in China, sehr lecker zubereitet. Als wir das Lokal verlassen, faellt mir ein, wie wohl das kleine Schwein ausgesehen haben muss, das fuer unser 'Pork' herhalten musste. Ich nehme mir vor, noch einmal ueber das Thema "Vegetarier Pro's & Con's" nachzudenken, nachdem ja soviele meiner Freunde bereits dieser Spezies angehoeren ...
Draussen wartet neben dem Taxifahrer Pam's Chef, der auch gleich mit nach Hause gefahren werden soll. Ich unterhalte mich kurz mit ihm, er fragt mich wohin ich am naechsten Tag weiterreise. Als er von meiner Flussfahrt nach Yangshou hoert, bietet er sich mit seinen Kontakten fuer Hotels usw. auch fuer diese Stadt an. Das wird in ein bisschen zuviel. Auf dem Weg zu meinem Hotel lasse ich mir aber seine Karte geben. 'Fuer den Fall, dass ich selbst nichts finde', denke ich mir.
Er waehlt ein Spezialitaetenrestaurant (einer suedlich gelegenen chinesischen Provinz).
Pam und ich studieren die Speisekarte. Er fragt mich, ob ich schon einmal 'Schlange' gegessen habe, sei aber sehr teuer. Ich lehne dankend ab, natuerlich wegen des Preises ;-)
Als leckere Alternative empfiehlt er 'Bamboo Mouse'. Zoegernd frage ich nach, ob diese Tiere vielleicht vom Aussterben bedroht seien (diese Frage ist wohl typisch fuer einen Deutscher aus der Generation 'Grzimek'). 'Nein' meint er spontan, 'in manchen Gegenden sind sie eine wahre Plage. Meine Neugier ist geweckt und gewinnt schnell die Oberhand ueber meine fraengische Skepsis ('was der Bauer net kennt, frisst er auch net'). 'Hmm, Bambusmaeuse lecker ...'
Dann Pams ueberraschende Frage, ob ich die Bambusmaus vorher sehen mag. Voreilig sage ich zu, so fuehrt unsere Bedienung Pam und mich vor das Restaurant. Jetzt erst faellt mir die Auswahl lebendiger Tiere dort auf, auf die jeder Kleintierzoo in Deutschland stolz gewesen waere.
Dort tummeln sich Huehner, Schlangen, Fische unterschiedlichster Arten, Krebse und Krabben, lebendige Wuermer und - die Bedienung deutet auf einen Kaefig ganz rechts hinten - Bambusmaeuse. Die Bedienung fragt uns, welche wir denn gerne haetten. Ich sehe genauer hin. Fuenf oder sechs gar nicht kleine Pelztiere kuscheln sich eng aneinander in einem Eck des Kaefigs. Sie oeffnet den Kaefig und pacht ein kaninchengrosses Tier mit einer Holzzange unsanft hinter dem Kopf und setzt es auf die Strasse. Es guckt links und rechts und putzt sich mit den kleinen Pfoetchen das Gesichtchen. Das war zuviel. Schlagartig bricht die Front meiner Neugier auf der ganzen Laenge zusammen und verschwindet so schnell sie gekommen war. Uebrig bleibt nicht nur Skepsis, sondern pure Ablehnung. Ich moechte nicht fuer den Tod dieses putzigen Wesens verantwortlich sein. Mag sein, dass meine Ablehnung das Schicksal dieses Tieres nur verlaengert und nicht aufhebt, trotsdem mein Entschluss stand fest, ich packe Pam am Arm und ziehe ihn mit zurueck in das Lokal, begleitet von einem 'ich habe es mir anders ueberlegt'.
Die Bedienung blickt uns verstaendnislos nach. Neben einem Teller mit 'Pork' und einem mit 'Shrimps' kommt nur Gemuese auf unseren Tisch. Es gibt erstaunlich viele Gemuesesorten in China, sehr lecker zubereitet. Als wir das Lokal verlassen, faellt mir ein, wie wohl das kleine Schwein ausgesehen haben muss, das fuer unser 'Pork' herhalten musste. Ich nehme mir vor, noch einmal ueber das Thema "Vegetarier Pro's & Con's" nachzudenken, nachdem ja soviele meiner Freunde bereits dieser Spezies angehoeren ...
Draussen wartet neben dem Taxifahrer Pam's Chef, der auch gleich mit nach Hause gefahren werden soll. Ich unterhalte mich kurz mit ihm, er fragt mich wohin ich am naechsten Tag weiterreise. Als er von meiner Flussfahrt nach Yangshou hoert, bietet er sich mit seinen Kontakten fuer Hotels usw. auch fuer diese Stadt an. Das wird in ein bisschen zuviel. Auf dem Weg zu meinem Hotel lasse ich mir aber seine Karte geben. 'Fuer den Fall, dass ich selbst nichts finde', denke ich mir.
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Samstag, 5. August 2006
Das Reich der Mitte Teil 4: TCM-Traditionelle Chinesische Medizin
frankybody, 20:28h
Ein Shuttle Bus der Tourist Info bringt mich direkt in das Stadtbuero der Tourist-Agentur in Guilin. Pam, ein 30-jaehriger Guide erwartet mich. Er hatte bereits ein Taxi gechartert, dass uns den ganzen Nachmittag zur Verfuegung steht, mit seiner Klimaanlage ist es immer wieder eine Rettungsinsel, wenn wir in das Auto zurueckkehren bei diesen Temperaturen jenseits der 35 Grad.
Der Nachmittag hat nur noch 3-4h Stunden bevor die wichtigsten Sehenswuerdigkeiten der Stadt schliessen. Pam ist ein echtes Organisationstalent, waehrend der Fahrt telefoniert er staendig, damit jeweils alles vorbereitet ist, wenn wir eines unserer Ziele erreichen. Sobald wir das Auto verlassen, erklaert, beschreibt und zeigt er, was interessant und wichtig ist. Manchmal schickt er sogar die Taxifahrerin los, um schon wieder die naechsten Tickets zu besorgen, bis wir jeweils wieder eintreffen. Auf diese Weise lerne ich Tropfsteinhoehlen, Tempel, Residenzen und beruehmte Karsthuegel kennen und besteigen. Mit meiner durch mein Asthma noch etwas angeschlagenen Gesundheit eine ganz schoen kurzatmige und schweisstreibende Angelegenheit. Eine Bootsrundfahrt in der weit verzweigten Seenlandschaft der Stadt ist ein echtes Highlight. Gegen sieben findet der Marathon ein Ende, wir sind fertig, die Fuesse wollen nicht mehr. Dankbar fuer seine Aufopferung lade ich ihn zum Abendessen ein. Er freut sich, schlaegt mir aber vorab noch eine Fussmassage vor. Ich sage spontan zu und wir fahren in ein Krankenhaus, die Masseurinnen dort seien wesentlich professioneller als in den oertlichen Salons. Das Krankenhaus, so wird mir dort gesagt, ist sehr professionell in der Kombination westlicher Medizin mit TCM.
Waehrend eine Masseurin meine Fuesse wiederbelebt, komme ich mit einer Krankenschwester ins Gespraech, die etwas englisch spricht. Als sie erfaehrt, dass ich allergisches Asthma habe und meinen rasselnden Atem hoert, laeuft sie gleich los und braut mir einen Tee, Nr. 5 aus dem TCM-Teeprogramm der Klinik. Nach einer halben Kanne dieses Tees ist das Rasseln weg und ich kann viel freier schnaufen. Soetwas hatte ich nicht erwartet, das schafft sonst nur ein mit starken Nebenwirkungen belastetes Asthmaspray. Sie bringt eine exotische Frucht und erklaert, dass diese Frucht der einzige Bestandteil des Tees ist. Wie gerufen kommt nun noch ein Arzt herein. Er ist ein Professor der Klinik und auf seinem abendlichen Rundgang. Er hoert sich nun auch meine Krankheitsgeschichte an. Er meint, dass bei chronischen Krankheiten die TCM weit erfolgreicher sei, als die westliche Medizin, eine Behandlung aber mindestens zwei Monate dauere. Jedes Jahr kommen mehr Aerzte aus Europa und Uebersee, die er in TCM ausbilde. Mein Gleichgewicht zwischen Yin und Yang stimme nicht mehr - die Suche nach dem richtigen Gleichgewicht zieht sich in China ja durch alle Philosophien und Religionen - er verschreibt mir aus dem TCM-Pillen Programm Nr.1, 12 und 15 von denen ich taeglich zusammengenommen 88 Stueck nehmen solle und das fuer die naechsten zwei Monate. Befluegelt von der sponatenen Wirkung des Tees sage ich zu. Doch die Pillen sind nicht gerade klein, die groesseren messen immerhin einen halben Fingernagel. Es kostet schon einige Uebung sie ohne zu wuergen gleich dutzendweise zu schlucken, um zu vermeiden sie einzeln aufzupicken. Die Zusammensetzung - rein pflanzlich - ist viele hundert Jahre alt und liesst sich wie eine Liste von Omas Kraeutermittelchen ...
Ausgestattet mit 5280 Pillen und dem Tee verlasse ich die Klinik. Unbeachtet kann ich nun nicht mehr durch die Lande ziehen, dafuer waere ich wohl der Stolz jedes Percussionisten.
Zusammen mit der Veraenderung meiner Ernaehrung haben sie mittlerweile dafuer gesorgt, dass ich nicht nur meine Allergie los bin, sondern haben auch gleich meine angeschlagene Verdauung mitkuriert. Ich fuehle mich leichter, renne nun schon wieder wie ein junger Springbock die Berge hoch und bin nicht mehr so lustlos und muede. Was fuer ein Land.
Was mich an dieser Geschichte jedoch masslos aergert, ist die Ignoranz vieler Aerzte, die ich in Deutschland besucht habe. Nicht das sie so ahnungslos sind, nervt mich, sondern dass sie es nicht einfach zugeben, bei chronischen Krankheiten wie Allergien, vollkommen im Dunkeln tappen und Heerscharen von hilfesuchenden Patienten mit Cortison & Co. vollpumpen und fuer die starken Nebenwirkungen gleich weitere Chemiekeulen schwingen.
Das I-Duepferl ist, dass Deutschland eines der wenigen Laender ist, in das diese chinesischen Medikamente nicht versendet werden duerfen. Unser deutsches Lebensmittelgesetz schuetzt uns also vor diesen mit Sicherheit erfolgreicheren Verfahren. So diesen Aerger bin ich nun auch noch gleich mit losgeworden ;-)
Pam und das Taxi warteten derweil geduldig vor dem Krankenhaus auf mich.
Der Nachmittag hat nur noch 3-4h Stunden bevor die wichtigsten Sehenswuerdigkeiten der Stadt schliessen. Pam ist ein echtes Organisationstalent, waehrend der Fahrt telefoniert er staendig, damit jeweils alles vorbereitet ist, wenn wir eines unserer Ziele erreichen. Sobald wir das Auto verlassen, erklaert, beschreibt und zeigt er, was interessant und wichtig ist. Manchmal schickt er sogar die Taxifahrerin los, um schon wieder die naechsten Tickets zu besorgen, bis wir jeweils wieder eintreffen. Auf diese Weise lerne ich Tropfsteinhoehlen, Tempel, Residenzen und beruehmte Karsthuegel kennen und besteigen. Mit meiner durch mein Asthma noch etwas angeschlagenen Gesundheit eine ganz schoen kurzatmige und schweisstreibende Angelegenheit. Eine Bootsrundfahrt in der weit verzweigten Seenlandschaft der Stadt ist ein echtes Highlight. Gegen sieben findet der Marathon ein Ende, wir sind fertig, die Fuesse wollen nicht mehr. Dankbar fuer seine Aufopferung lade ich ihn zum Abendessen ein. Er freut sich, schlaegt mir aber vorab noch eine Fussmassage vor. Ich sage spontan zu und wir fahren in ein Krankenhaus, die Masseurinnen dort seien wesentlich professioneller als in den oertlichen Salons. Das Krankenhaus, so wird mir dort gesagt, ist sehr professionell in der Kombination westlicher Medizin mit TCM.
Waehrend eine Masseurin meine Fuesse wiederbelebt, komme ich mit einer Krankenschwester ins Gespraech, die etwas englisch spricht. Als sie erfaehrt, dass ich allergisches Asthma habe und meinen rasselnden Atem hoert, laeuft sie gleich los und braut mir einen Tee, Nr. 5 aus dem TCM-Teeprogramm der Klinik. Nach einer halben Kanne dieses Tees ist das Rasseln weg und ich kann viel freier schnaufen. Soetwas hatte ich nicht erwartet, das schafft sonst nur ein mit starken Nebenwirkungen belastetes Asthmaspray. Sie bringt eine exotische Frucht und erklaert, dass diese Frucht der einzige Bestandteil des Tees ist. Wie gerufen kommt nun noch ein Arzt herein. Er ist ein Professor der Klinik und auf seinem abendlichen Rundgang. Er hoert sich nun auch meine Krankheitsgeschichte an. Er meint, dass bei chronischen Krankheiten die TCM weit erfolgreicher sei, als die westliche Medizin, eine Behandlung aber mindestens zwei Monate dauere. Jedes Jahr kommen mehr Aerzte aus Europa und Uebersee, die er in TCM ausbilde. Mein Gleichgewicht zwischen Yin und Yang stimme nicht mehr - die Suche nach dem richtigen Gleichgewicht zieht sich in China ja durch alle Philosophien und Religionen - er verschreibt mir aus dem TCM-Pillen Programm Nr.1, 12 und 15 von denen ich taeglich zusammengenommen 88 Stueck nehmen solle und das fuer die naechsten zwei Monate. Befluegelt von der sponatenen Wirkung des Tees sage ich zu. Doch die Pillen sind nicht gerade klein, die groesseren messen immerhin einen halben Fingernagel. Es kostet schon einige Uebung sie ohne zu wuergen gleich dutzendweise zu schlucken, um zu vermeiden sie einzeln aufzupicken. Die Zusammensetzung - rein pflanzlich - ist viele hundert Jahre alt und liesst sich wie eine Liste von Omas Kraeutermittelchen ...
Ausgestattet mit 5280 Pillen und dem Tee verlasse ich die Klinik. Unbeachtet kann ich nun nicht mehr durch die Lande ziehen, dafuer waere ich wohl der Stolz jedes Percussionisten.
Zusammen mit der Veraenderung meiner Ernaehrung haben sie mittlerweile dafuer gesorgt, dass ich nicht nur meine Allergie los bin, sondern haben auch gleich meine angeschlagene Verdauung mitkuriert. Ich fuehle mich leichter, renne nun schon wieder wie ein junger Springbock die Berge hoch und bin nicht mehr so lustlos und muede. Was fuer ein Land.
Was mich an dieser Geschichte jedoch masslos aergert, ist die Ignoranz vieler Aerzte, die ich in Deutschland besucht habe. Nicht das sie so ahnungslos sind, nervt mich, sondern dass sie es nicht einfach zugeben, bei chronischen Krankheiten wie Allergien, vollkommen im Dunkeln tappen und Heerscharen von hilfesuchenden Patienten mit Cortison & Co. vollpumpen und fuer die starken Nebenwirkungen gleich weitere Chemiekeulen schwingen.
Das I-Duepferl ist, dass Deutschland eines der wenigen Laender ist, in das diese chinesischen Medikamente nicht versendet werden duerfen. Unser deutsches Lebensmittelgesetz schuetzt uns also vor diesen mit Sicherheit erfolgreicheren Verfahren. So diesen Aerger bin ich nun auch noch gleich mit losgeworden ;-)
Pam und das Taxi warteten derweil geduldig vor dem Krankenhaus auf mich.
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Freitag, 4. August 2006
Das Reich der Mitte Teil 3: In China dreht sich alles ums Geld
frankybody, 16:20h
Eine kurze Nacht in Beijing ... morgens recht frueh raus, denn vormittags ist schon Abflug Richtung Sueden. Das Fruehstueck gibt es in einem winzigen Raum, neben mir ist dort nur noch eine alte Frau mit ihrem Sohn. Es gibt kein Buffet und auch keine Speisekarte. Die Frau, die bedient, schaut mich mit grossen Augen an, als sie aus ihrer der Raum angeschlossenen Kammer kommt, in diesem Hotel gibt es sonst keine Langnasen.
Ich habe keine andere Chance als auf das Mahl meiner Fruehstuecksgenossen zu deuten und komme in den ersten Genuss eines sehr einfachen Fruestuecks fuer Einheimische.
Ein wenig chinesisches Gemuese, gekochter Reis und eine ganz duenne Reismilch (?), dazu ein
kleiner Reiskuchen ... kostet auch fast nichts. Ich esse alles brav auf, denn ich habe mich ja auch deswegen fuer China entschieden, um den Weizenmehls, den Zuckern und sonstigen Genuessen des zivilisierten Westens zu entgehen, die es mir in Deutschland mit meinem sommerlichen Asthma so schwer machen.
Mein erstes Ziel heisst Guilin in der Provinz Guangxi, ich komme am fruehen Nachmittag dort an, schon ein bisschen nervoes, denn ich habe noch kein Hotel und Flow hat sich auch noch keiner eingestellt. Es ist drueckend heiss und auch recht schwuel.
Nur mit Handgepaeck ausgestattet (mein grosser Rucksack wartet in Beijing auf mich) erreiche ich als zweiter meines Fliegers die Ankunftshalle und schreite die schier endlose Reihe wartender Personen mit meist chinesischen Namensschildern ab. Ploetzlich erschrecke ich heftig, da steht mein Nachname auf einem Schild. Wer koennte hier von mir wissen? Bei naeherem Hinsehen erkenne ich, hier wird ein gleichnamiger Professor gesucht. Was fuer ein komischer Zufall, denke ich, und im gleichen Augenblick befaellt mich ein unbehagliches Gefuehl, typisch fuer einen Alleinreisenden, der nicht plant und nicht im Flow ist.
'Alle werden hier abgeholt oder wissen wohin sie gehen muessen. Ein Haus oder zumindest ein Hotel wartet bereits auf sie. Sie werden vielleicht sogar von einem lieben Menschen in die Arme genommen, der sich freut einen zu sehen. Nur einer bleibt zurueck und weiss nicht wohin ...' . Solche melancholischen Gedanken koennen einen Alleinreisenden einholen.
Ich wische diese Gedanken beiseite und blicke wieder nach vorne. Schnelle Abhilfe verspricht die Tourist Information. Die Mitarbeiterin dort ist eine echte Ueberraschung, lupenreines gut verstaendliches Englisch.
Jetzt wird alles gut!
Ich unterhalte mich eine halbe Stunde mit ihr und verlasse den Schalter mit gleich drei Buchungen fier Guilin. Zunaechst erstehe ich die obligatorische Flussfahrt auf dem Li-River nach Yangshou fuer den naechsten Tag. Das ist die Hauptattraktion im Land der spitzen Karstkegel, die bestimmt jeder schon auf irgendwelchen Fotos oder Abblidungen gesehen hat. Teure 46 Euro umgerechnet wechseln den Besitzer. Das ist offiziell, denke ich, da kann man nicht handeln, steht ja auch im Lonely Planet.
Weit gefehlt, wie ich aber erst spaeter erfahre. In diesem Land gibt es wirklich kein Ding oder keine Dienstleistung, fuer das es sich nicht lohnen koennte zu handeln, auch wenn feste Preise z.B. auf Tickets draufstehen ... und ganz besonders fuer Touristen. Mittlerweile bin ich schon ganz gut, ich zahle meist zwischen 60 und 80% des ersten vorgeschlagenen Preises, bin mir aber sicher, dass ich mit guten chinesischen Kaeufern noch nicht mithalten kann. Ausser vielleicht in einem besonderen Fall, sehr viel spaeter in der Stadt Dali, als fuer einen grossen, nein einen wirklich rieseigen Tempel, ausserordentlich hohe 12 Euro Eintritt verlangt wurden. Ich frage, ob es fuer Studenten Ermaessigung gaebe, ja mit einem Studentenausweis 50% war die Antwort. 'Na fein', denke ich 'bin mal gespannt, ob die Angestellten hier genauso gut mit deutschen Dokumenten umgehen koennen, wie ich mit chinesischen' und strecke ihm meinen Fuehrerschein hin. Er studiert ihn mit Hingabe und zieht dann auch noch einen Kollegen hinzu. Sie machen einen letzten Versuch mich um die Ermaessigung zu bringen und fragen mich, ob ich an einer chinesischen Universitaet studiere. Ich sage auf deutsch "Technische Universitaet Muenchen" und sie geben auf. Ich hatte die 50% Huerde geknackt! Ok, mit nicht ganz fairen Mitteln, das gebe ich zu.
Zurueck zum Schalter und meiner anglophilen Reiseberaterin. Mit meiner zweiten Buchung, einem Hotel fuer eine Nacht in Gulin komme ich auf 10 statt 18 Euro, im Lonely Planet stehen fuer dieses Hotel 28- 45 Euro, ich bin zufrieden mit mir. Zuletzt buche ich fuer 20 Euro noch einen Guide mit Taxi, der mir in der knappen Zeit (nur der Nachmittag) noch ein paar Sehenswuerdigkeiten von Guilin zeigen soll. Das haette ich wohl nicht gemacht, wenn meine Reiseberaterin nicht so nett gewesen waere.
Pam, der Guide erweist sich als absoluter Gluecksfall und mit ihm beginnt ein Flow, der 3 Tage anhaelt, aber davon mehr im naechsten Kapitel.
Ich habe keine andere Chance als auf das Mahl meiner Fruehstuecksgenossen zu deuten und komme in den ersten Genuss eines sehr einfachen Fruestuecks fuer Einheimische.
Ein wenig chinesisches Gemuese, gekochter Reis und eine ganz duenne Reismilch (?), dazu ein
kleiner Reiskuchen ... kostet auch fast nichts. Ich esse alles brav auf, denn ich habe mich ja auch deswegen fuer China entschieden, um den Weizenmehls, den Zuckern und sonstigen Genuessen des zivilisierten Westens zu entgehen, die es mir in Deutschland mit meinem sommerlichen Asthma so schwer machen.
Mein erstes Ziel heisst Guilin in der Provinz Guangxi, ich komme am fruehen Nachmittag dort an, schon ein bisschen nervoes, denn ich habe noch kein Hotel und Flow hat sich auch noch keiner eingestellt. Es ist drueckend heiss und auch recht schwuel.
Nur mit Handgepaeck ausgestattet (mein grosser Rucksack wartet in Beijing auf mich) erreiche ich als zweiter meines Fliegers die Ankunftshalle und schreite die schier endlose Reihe wartender Personen mit meist chinesischen Namensschildern ab. Ploetzlich erschrecke ich heftig, da steht mein Nachname auf einem Schild. Wer koennte hier von mir wissen? Bei naeherem Hinsehen erkenne ich, hier wird ein gleichnamiger Professor gesucht. Was fuer ein komischer Zufall, denke ich, und im gleichen Augenblick befaellt mich ein unbehagliches Gefuehl, typisch fuer einen Alleinreisenden, der nicht plant und nicht im Flow ist.
'Alle werden hier abgeholt oder wissen wohin sie gehen muessen. Ein Haus oder zumindest ein Hotel wartet bereits auf sie. Sie werden vielleicht sogar von einem lieben Menschen in die Arme genommen, der sich freut einen zu sehen. Nur einer bleibt zurueck und weiss nicht wohin ...' . Solche melancholischen Gedanken koennen einen Alleinreisenden einholen.
Ich wische diese Gedanken beiseite und blicke wieder nach vorne. Schnelle Abhilfe verspricht die Tourist Information. Die Mitarbeiterin dort ist eine echte Ueberraschung, lupenreines gut verstaendliches Englisch.
Jetzt wird alles gut!
Ich unterhalte mich eine halbe Stunde mit ihr und verlasse den Schalter mit gleich drei Buchungen fier Guilin. Zunaechst erstehe ich die obligatorische Flussfahrt auf dem Li-River nach Yangshou fuer den naechsten Tag. Das ist die Hauptattraktion im Land der spitzen Karstkegel, die bestimmt jeder schon auf irgendwelchen Fotos oder Abblidungen gesehen hat. Teure 46 Euro umgerechnet wechseln den Besitzer. Das ist offiziell, denke ich, da kann man nicht handeln, steht ja auch im Lonely Planet.
Weit gefehlt, wie ich aber erst spaeter erfahre. In diesem Land gibt es wirklich kein Ding oder keine Dienstleistung, fuer das es sich nicht lohnen koennte zu handeln, auch wenn feste Preise z.B. auf Tickets draufstehen ... und ganz besonders fuer Touristen. Mittlerweile bin ich schon ganz gut, ich zahle meist zwischen 60 und 80% des ersten vorgeschlagenen Preises, bin mir aber sicher, dass ich mit guten chinesischen Kaeufern noch nicht mithalten kann. Ausser vielleicht in einem besonderen Fall, sehr viel spaeter in der Stadt Dali, als fuer einen grossen, nein einen wirklich rieseigen Tempel, ausserordentlich hohe 12 Euro Eintritt verlangt wurden. Ich frage, ob es fuer Studenten Ermaessigung gaebe, ja mit einem Studentenausweis 50% war die Antwort. 'Na fein', denke ich 'bin mal gespannt, ob die Angestellten hier genauso gut mit deutschen Dokumenten umgehen koennen, wie ich mit chinesischen' und strecke ihm meinen Fuehrerschein hin. Er studiert ihn mit Hingabe und zieht dann auch noch einen Kollegen hinzu. Sie machen einen letzten Versuch mich um die Ermaessigung zu bringen und fragen mich, ob ich an einer chinesischen Universitaet studiere. Ich sage auf deutsch "Technische Universitaet Muenchen" und sie geben auf. Ich hatte die 50% Huerde geknackt! Ok, mit nicht ganz fairen Mitteln, das gebe ich zu.
Zurueck zum Schalter und meiner anglophilen Reiseberaterin. Mit meiner zweiten Buchung, einem Hotel fuer eine Nacht in Gulin komme ich auf 10 statt 18 Euro, im Lonely Planet stehen fuer dieses Hotel 28- 45 Euro, ich bin zufrieden mit mir. Zuletzt buche ich fuer 20 Euro noch einen Guide mit Taxi, der mir in der knappen Zeit (nur der Nachmittag) noch ein paar Sehenswuerdigkeiten von Guilin zeigen soll. Das haette ich wohl nicht gemacht, wenn meine Reiseberaterin nicht so nett gewesen waere.
Pam, der Guide erweist sich als absoluter Gluecksfall und mit ihm beginnt ein Flow, der 3 Tage anhaelt, aber davon mehr im naechsten Kapitel.
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