Samstag, 5. August 2006
Das Reich der Mitte Teil 4: TCM-Traditionelle Chinesische Medizin
Ein Shuttle Bus der Tourist Info bringt mich direkt in das Stadtbuero der Tourist-Agentur in Guilin. Pam, ein 30-jaehriger Guide erwartet mich. Er hatte bereits ein Taxi gechartert, dass uns den ganzen Nachmittag zur Verfuegung steht, mit seiner Klimaanlage ist es immer wieder eine Rettungsinsel, wenn wir in das Auto zurueckkehren bei diesen Temperaturen jenseits der 35 Grad.
Der Nachmittag hat nur noch 3-4h Stunden bevor die wichtigsten Sehenswuerdigkeiten der Stadt schliessen. Pam ist ein echtes Organisationstalent, waehrend der Fahrt telefoniert er staendig, damit jeweils alles vorbereitet ist, wenn wir eines unserer Ziele erreichen. Sobald wir das Auto verlassen, erklaert, beschreibt und zeigt er, was interessant und wichtig ist. Manchmal schickt er sogar die Taxifahrerin los, um schon wieder die naechsten Tickets zu besorgen, bis wir jeweils wieder eintreffen. Auf diese Weise lerne ich Tropfsteinhoehlen, Tempel, Residenzen und beruehmte Karsthuegel kennen und besteigen. Mit meiner durch mein Asthma noch etwas angeschlagenen Gesundheit eine ganz schoen kurzatmige und schweisstreibende Angelegenheit. Eine Bootsrundfahrt in der weit verzweigten Seenlandschaft der Stadt ist ein echtes Highlight. Gegen sieben findet der Marathon ein Ende, wir sind fertig, die Fuesse wollen nicht mehr. Dankbar fuer seine Aufopferung lade ich ihn zum Abendessen ein. Er freut sich, schlaegt mir aber vorab noch eine Fussmassage vor. Ich sage spontan zu und wir fahren in ein Krankenhaus, die Masseurinnen dort seien wesentlich professioneller als in den oertlichen Salons. Das Krankenhaus, so wird mir dort gesagt, ist sehr professionell in der Kombination westlicher Medizin mit TCM.
Waehrend eine Masseurin meine Fuesse wiederbelebt, komme ich mit einer Krankenschwester ins Gespraech, die etwas englisch spricht. Als sie erfaehrt, dass ich allergisches Asthma habe und meinen rasselnden Atem hoert, laeuft sie gleich los und braut mir einen Tee, Nr. 5 aus dem TCM-Teeprogramm der Klinik. Nach einer halben Kanne dieses Tees ist das Rasseln weg und ich kann viel freier schnaufen. Soetwas hatte ich nicht erwartet, das schafft sonst nur ein mit starken Nebenwirkungen belastetes Asthmaspray. Sie bringt eine exotische Frucht und erklaert, dass diese Frucht der einzige Bestandteil des Tees ist. Wie gerufen kommt nun noch ein Arzt herein. Er ist ein Professor der Klinik und auf seinem abendlichen Rundgang. Er hoert sich nun auch meine Krankheitsgeschichte an. Er meint, dass bei chronischen Krankheiten die TCM weit erfolgreicher sei, als die westliche Medizin, eine Behandlung aber mindestens zwei Monate dauere. Jedes Jahr kommen mehr Aerzte aus Europa und Uebersee, die er in TCM ausbilde. Mein Gleichgewicht zwischen Yin und Yang stimme nicht mehr - die Suche nach dem richtigen Gleichgewicht zieht sich in China ja durch alle Philosophien und Religionen - er verschreibt mir aus dem TCM-Pillen Programm Nr.1, 12 und 15 von denen ich taeglich zusammengenommen 88 Stueck nehmen solle und das fuer die naechsten zwei Monate. Befluegelt von der sponatenen Wirkung des Tees sage ich zu. Doch die Pillen sind nicht gerade klein, die groesseren messen immerhin einen halben Fingernagel. Es kostet schon einige Uebung sie ohne zu wuergen gleich dutzendweise zu schlucken, um zu vermeiden sie einzeln aufzupicken. Die Zusammensetzung - rein pflanzlich - ist viele hundert Jahre alt und liesst sich wie eine Liste von Omas Kraeutermittelchen ...
Ausgestattet mit 5280 Pillen und dem Tee verlasse ich die Klinik. Unbeachtet kann ich nun nicht mehr durch die Lande ziehen, dafuer waere ich wohl der Stolz jedes Percussionisten.
Zusammen mit der Veraenderung meiner Ernaehrung haben sie mittlerweile dafuer gesorgt, dass ich nicht nur meine Allergie los bin, sondern haben auch gleich meine angeschlagene Verdauung mitkuriert. Ich fuehle mich leichter, renne nun schon wieder wie ein junger Springbock die Berge hoch und bin nicht mehr so lustlos und muede. Was fuer ein Land.
Was mich an dieser Geschichte jedoch masslos aergert, ist die Ignoranz vieler Aerzte, die ich in Deutschland besucht habe. Nicht das sie so ahnungslos sind, nervt mich, sondern dass sie es nicht einfach zugeben, bei chronischen Krankheiten wie Allergien, vollkommen im Dunkeln tappen und Heerscharen von hilfesuchenden Patienten mit Cortison & Co. vollpumpen und fuer die starken Nebenwirkungen gleich weitere Chemiekeulen schwingen.
Das I-Duepferl ist, dass Deutschland eines der wenigen Laender ist, in das diese chinesischen Medikamente nicht versendet werden duerfen. Unser deutsches Lebensmittelgesetz schuetzt uns also vor diesen mit Sicherheit erfolgreicheren Verfahren. So diesen Aerger bin ich nun auch noch gleich mit losgeworden ;-)
Pam und das Taxi warteten derweil geduldig vor dem Krankenhaus auf mich.

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TCM
Hi Frank,
damit die Welt erfährt, dass TCM mehr sein kann als ein Tschibo-Produkt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Traditionelle_Chinesische_Medizin

Schöne Grüße aus München
und "keep on blogging"!
Andreas

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