Freitag, 4. August 2006
Das Reich der Mitte Teil 3: In China dreht sich alles ums Geld
frankybody, 16:20h
Eine kurze Nacht in Beijing ... morgens recht frueh raus, denn vormittags ist schon Abflug Richtung Sueden. Das Fruehstueck gibt es in einem winzigen Raum, neben mir ist dort nur noch eine alte Frau mit ihrem Sohn. Es gibt kein Buffet und auch keine Speisekarte. Die Frau, die bedient, schaut mich mit grossen Augen an, als sie aus ihrer der Raum angeschlossenen Kammer kommt, in diesem Hotel gibt es sonst keine Langnasen.
Ich habe keine andere Chance als auf das Mahl meiner Fruehstuecksgenossen zu deuten und komme in den ersten Genuss eines sehr einfachen Fruestuecks fuer Einheimische.
Ein wenig chinesisches Gemuese, gekochter Reis und eine ganz duenne Reismilch (?), dazu ein
kleiner Reiskuchen ... kostet auch fast nichts. Ich esse alles brav auf, denn ich habe mich ja auch deswegen fuer China entschieden, um den Weizenmehls, den Zuckern und sonstigen Genuessen des zivilisierten Westens zu entgehen, die es mir in Deutschland mit meinem sommerlichen Asthma so schwer machen.
Mein erstes Ziel heisst Guilin in der Provinz Guangxi, ich komme am fruehen Nachmittag dort an, schon ein bisschen nervoes, denn ich habe noch kein Hotel und Flow hat sich auch noch keiner eingestellt. Es ist drueckend heiss und auch recht schwuel.
Nur mit Handgepaeck ausgestattet (mein grosser Rucksack wartet in Beijing auf mich) erreiche ich als zweiter meines Fliegers die Ankunftshalle und schreite die schier endlose Reihe wartender Personen mit meist chinesischen Namensschildern ab. Ploetzlich erschrecke ich heftig, da steht mein Nachname auf einem Schild. Wer koennte hier von mir wissen? Bei naeherem Hinsehen erkenne ich, hier wird ein gleichnamiger Professor gesucht. Was fuer ein komischer Zufall, denke ich, und im gleichen Augenblick befaellt mich ein unbehagliches Gefuehl, typisch fuer einen Alleinreisenden, der nicht plant und nicht im Flow ist.
'Alle werden hier abgeholt oder wissen wohin sie gehen muessen. Ein Haus oder zumindest ein Hotel wartet bereits auf sie. Sie werden vielleicht sogar von einem lieben Menschen in die Arme genommen, der sich freut einen zu sehen. Nur einer bleibt zurueck und weiss nicht wohin ...' . Solche melancholischen Gedanken koennen einen Alleinreisenden einholen.
Ich wische diese Gedanken beiseite und blicke wieder nach vorne. Schnelle Abhilfe verspricht die Tourist Information. Die Mitarbeiterin dort ist eine echte Ueberraschung, lupenreines gut verstaendliches Englisch.
Jetzt wird alles gut!
Ich unterhalte mich eine halbe Stunde mit ihr und verlasse den Schalter mit gleich drei Buchungen fier Guilin. Zunaechst erstehe ich die obligatorische Flussfahrt auf dem Li-River nach Yangshou fuer den naechsten Tag. Das ist die Hauptattraktion im Land der spitzen Karstkegel, die bestimmt jeder schon auf irgendwelchen Fotos oder Abblidungen gesehen hat. Teure 46 Euro umgerechnet wechseln den Besitzer. Das ist offiziell, denke ich, da kann man nicht handeln, steht ja auch im Lonely Planet.
Weit gefehlt, wie ich aber erst spaeter erfahre. In diesem Land gibt es wirklich kein Ding oder keine Dienstleistung, fuer das es sich nicht lohnen koennte zu handeln, auch wenn feste Preise z.B. auf Tickets draufstehen ... und ganz besonders fuer Touristen. Mittlerweile bin ich schon ganz gut, ich zahle meist zwischen 60 und 80% des ersten vorgeschlagenen Preises, bin mir aber sicher, dass ich mit guten chinesischen Kaeufern noch nicht mithalten kann. Ausser vielleicht in einem besonderen Fall, sehr viel spaeter in der Stadt Dali, als fuer einen grossen, nein einen wirklich rieseigen Tempel, ausserordentlich hohe 12 Euro Eintritt verlangt wurden. Ich frage, ob es fuer Studenten Ermaessigung gaebe, ja mit einem Studentenausweis 50% war die Antwort. 'Na fein', denke ich 'bin mal gespannt, ob die Angestellten hier genauso gut mit deutschen Dokumenten umgehen koennen, wie ich mit chinesischen' und strecke ihm meinen Fuehrerschein hin. Er studiert ihn mit Hingabe und zieht dann auch noch einen Kollegen hinzu. Sie machen einen letzten Versuch mich um die Ermaessigung zu bringen und fragen mich, ob ich an einer chinesischen Universitaet studiere. Ich sage auf deutsch "Technische Universitaet Muenchen" und sie geben auf. Ich hatte die 50% Huerde geknackt! Ok, mit nicht ganz fairen Mitteln, das gebe ich zu.
Zurueck zum Schalter und meiner anglophilen Reiseberaterin. Mit meiner zweiten Buchung, einem Hotel fuer eine Nacht in Gulin komme ich auf 10 statt 18 Euro, im Lonely Planet stehen fuer dieses Hotel 28- 45 Euro, ich bin zufrieden mit mir. Zuletzt buche ich fuer 20 Euro noch einen Guide mit Taxi, der mir in der knappen Zeit (nur der Nachmittag) noch ein paar Sehenswuerdigkeiten von Guilin zeigen soll. Das haette ich wohl nicht gemacht, wenn meine Reiseberaterin nicht so nett gewesen waere.
Pam, der Guide erweist sich als absoluter Gluecksfall und mit ihm beginnt ein Flow, der 3 Tage anhaelt, aber davon mehr im naechsten Kapitel.
Ich habe keine andere Chance als auf das Mahl meiner Fruehstuecksgenossen zu deuten und komme in den ersten Genuss eines sehr einfachen Fruestuecks fuer Einheimische.
Ein wenig chinesisches Gemuese, gekochter Reis und eine ganz duenne Reismilch (?), dazu ein
kleiner Reiskuchen ... kostet auch fast nichts. Ich esse alles brav auf, denn ich habe mich ja auch deswegen fuer China entschieden, um den Weizenmehls, den Zuckern und sonstigen Genuessen des zivilisierten Westens zu entgehen, die es mir in Deutschland mit meinem sommerlichen Asthma so schwer machen.
Mein erstes Ziel heisst Guilin in der Provinz Guangxi, ich komme am fruehen Nachmittag dort an, schon ein bisschen nervoes, denn ich habe noch kein Hotel und Flow hat sich auch noch keiner eingestellt. Es ist drueckend heiss und auch recht schwuel.
Nur mit Handgepaeck ausgestattet (mein grosser Rucksack wartet in Beijing auf mich) erreiche ich als zweiter meines Fliegers die Ankunftshalle und schreite die schier endlose Reihe wartender Personen mit meist chinesischen Namensschildern ab. Ploetzlich erschrecke ich heftig, da steht mein Nachname auf einem Schild. Wer koennte hier von mir wissen? Bei naeherem Hinsehen erkenne ich, hier wird ein gleichnamiger Professor gesucht. Was fuer ein komischer Zufall, denke ich, und im gleichen Augenblick befaellt mich ein unbehagliches Gefuehl, typisch fuer einen Alleinreisenden, der nicht plant und nicht im Flow ist.
'Alle werden hier abgeholt oder wissen wohin sie gehen muessen. Ein Haus oder zumindest ein Hotel wartet bereits auf sie. Sie werden vielleicht sogar von einem lieben Menschen in die Arme genommen, der sich freut einen zu sehen. Nur einer bleibt zurueck und weiss nicht wohin ...' . Solche melancholischen Gedanken koennen einen Alleinreisenden einholen.
Ich wische diese Gedanken beiseite und blicke wieder nach vorne. Schnelle Abhilfe verspricht die Tourist Information. Die Mitarbeiterin dort ist eine echte Ueberraschung, lupenreines gut verstaendliches Englisch.
Jetzt wird alles gut!
Ich unterhalte mich eine halbe Stunde mit ihr und verlasse den Schalter mit gleich drei Buchungen fier Guilin. Zunaechst erstehe ich die obligatorische Flussfahrt auf dem Li-River nach Yangshou fuer den naechsten Tag. Das ist die Hauptattraktion im Land der spitzen Karstkegel, die bestimmt jeder schon auf irgendwelchen Fotos oder Abblidungen gesehen hat. Teure 46 Euro umgerechnet wechseln den Besitzer. Das ist offiziell, denke ich, da kann man nicht handeln, steht ja auch im Lonely Planet.
Weit gefehlt, wie ich aber erst spaeter erfahre. In diesem Land gibt es wirklich kein Ding oder keine Dienstleistung, fuer das es sich nicht lohnen koennte zu handeln, auch wenn feste Preise z.B. auf Tickets draufstehen ... und ganz besonders fuer Touristen. Mittlerweile bin ich schon ganz gut, ich zahle meist zwischen 60 und 80% des ersten vorgeschlagenen Preises, bin mir aber sicher, dass ich mit guten chinesischen Kaeufern noch nicht mithalten kann. Ausser vielleicht in einem besonderen Fall, sehr viel spaeter in der Stadt Dali, als fuer einen grossen, nein einen wirklich rieseigen Tempel, ausserordentlich hohe 12 Euro Eintritt verlangt wurden. Ich frage, ob es fuer Studenten Ermaessigung gaebe, ja mit einem Studentenausweis 50% war die Antwort. 'Na fein', denke ich 'bin mal gespannt, ob die Angestellten hier genauso gut mit deutschen Dokumenten umgehen koennen, wie ich mit chinesischen' und strecke ihm meinen Fuehrerschein hin. Er studiert ihn mit Hingabe und zieht dann auch noch einen Kollegen hinzu. Sie machen einen letzten Versuch mich um die Ermaessigung zu bringen und fragen mich, ob ich an einer chinesischen Universitaet studiere. Ich sage auf deutsch "Technische Universitaet Muenchen" und sie geben auf. Ich hatte die 50% Huerde geknackt! Ok, mit nicht ganz fairen Mitteln, das gebe ich zu.
Zurueck zum Schalter und meiner anglophilen Reiseberaterin. Mit meiner zweiten Buchung, einem Hotel fuer eine Nacht in Gulin komme ich auf 10 statt 18 Euro, im Lonely Planet stehen fuer dieses Hotel 28- 45 Euro, ich bin zufrieden mit mir. Zuletzt buche ich fuer 20 Euro noch einen Guide mit Taxi, der mir in der knappen Zeit (nur der Nachmittag) noch ein paar Sehenswuerdigkeiten von Guilin zeigen soll. Das haette ich wohl nicht gemacht, wenn meine Reiseberaterin nicht so nett gewesen waere.
Pam, der Guide erweist sich als absoluter Gluecksfall und mit ihm beginnt ein Flow, der 3 Tage anhaelt, aber davon mehr im naechsten Kapitel.
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htappert,
Mittwoch, 9. August 2006, 14:49
FLOW
Tachchen Frank,
sehr interessant, das alles. Bin gespannt auf die Berichterstattung hier vor Ort. Vor allem musst Du mir dann erklären, was es mit dem FLOW auf sich hat. Zumindest auf den "Kurzreisen-Touristen-Flow" scheinst Du doch aufgesprungen zu sein (siehe z.B. Zockertalent). Respekt!
Ich hoffe allerdings nicht, dass der Deutsche fortan als Lügner oder zumindest Tatsachenverdreher gilt. Wenn sich das mal rumspricht unter den Chinamännern und -frauen, weiß es buchstäblich die halbe Welt :o). Bis bald! Der Projektpräsident
sehr interessant, das alles. Bin gespannt auf die Berichterstattung hier vor Ort. Vor allem musst Du mir dann erklären, was es mit dem FLOW auf sich hat. Zumindest auf den "Kurzreisen-Touristen-Flow" scheinst Du doch aufgesprungen zu sein (siehe z.B. Zockertalent). Respekt!
Ich hoffe allerdings nicht, dass der Deutsche fortan als Lügner oder zumindest Tatsachenverdreher gilt. Wenn sich das mal rumspricht unter den Chinamännern und -frauen, weiß es buchstäblich die halbe Welt :o). Bis bald! Der Projektpräsident
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